“Do you have to use so many cuss-words?”
“The fuck you talking about?”
Peinlich berührt: Me and my girlfriend.
Ab und zu liest man ja im Internet was interessantes (nicht hier meine ich, woanders) und so stiess ich auf eine Rezension des Films Irma Vep aus dem Jahr 1996. Mit Maggie Cheung.
Maggie Cheung spielt eine Schauspielerin namens Maggie. Sie kommt nach Paris um Irma Vep zu spielen in einem Remake des Stummfilmklassikers Les Vampires (über eine Meisterdiebin in einem engen schwarzen Kostüm). Cheung muss sehr geduldig sein, denn die Umstände sind alles andere als golden. Der Regisseur hat seinen künstlerischen Zenit lang überschritten und sein Team besteht aus intrigierenden, gestörten Riesenegos.
Der Film im Film scheitert, die ersten Szenen sind schlecht und der Regisseur verschwindet in ein Sanatorium. Aber durch eine eindrucksvolle Wendung wird dieser Film übers Filmemachen selbst ein Remake, oder ein Update des Klassikers. Eine übermüdete Maggie Cheung schlüpft in ihrem Hotel in ihr Latex-Kostüm aus dem Film, schleicht katzengleich durch die Gänge des Hotels, greift schliesslich den Schmuck einer Touristin und stiehlt sich übers Dach davon.
Regisseur Oliver Assayas hat einen ein sehr… organischen Film übers Filmemachen, über die französische Filmindustrie und ihre Amerikanisierung gemacht.
Wenn man keinen Bock mehr auf den verrückten, nervigen Sekten-Tom-Cruise hat brauch man sich nur einen seiner Filme anzusehen. Was für ein cooler Typ.
In Collateral ist er ein cooler Auftragskiller ohne Seele. Jamie Foxx spielt seinen taxifahrenden Gehilfen wider Willen. Eine Nacht in LA, fünf Zeugen müssen um die Ecke gebracht werden.
Spannend, wunderschöne Bilder, glaubhafte Charaktere und fieser Tom Cruise.
Strangers on a Train: Vor 57 Jahren voll superspannend, jetzt ein zahmer, gut gemachter Krimi. Der Showdown auf dem Karussell ist ziemlich genial.
Johnny Depp ist der bekloppte Frisör vonne Fleet Street und singt sich zusammen mit Helena Bonham Carter und Ali G durch ein arg düsteres und blutiges Goth-Musical.
Hätte von mir aus eine halbe Stunde kürzer sein können, dafür gern etwas witziger.
Der Mensch ist des Menschen Wolf. Kurz zusammengefasste Version des Films The Mist über eine Gruppe Dörfler, die wegen gruseligem Killernebel in einem Supermarkt eingeschlossen sind. Im Nebel warten Tentakel und anderes Ungetier, aber das schlimmste Monster ist der Mensch.
Der Film weicht in einigen Punkten sehr von Stephen Kings Kurzgeschichte ab. Das Ende des Films ist viel deutlicher und verleiht der Geschichte einen ‘Twilight Zone’-artigen twist. Fand ich nicht so gut. Aber der Rest war solider psychologischer Horror.
Glory to the Filmmaker (Takeshi Kitano, 2007, Japan): Der Meister des lakonischen Gangsterfilms hat keinen Bock mehr auf lakonische Gangsterfilme und lässt uns am Entstehungsprozess seines nächsten Werkes teilhaben. Natürlich spielt Kitano wieder selbst die Hauptrolle, in unangenehmen Situationen verwandelt er sich aber in eine beinahe unzerstörbare hohle Puppe.
Absurder Humor, eine Kreuzung zwischen Manga und Monty Python.
The King of Ping Pong (Jens Jonsson, 2007, Schweden): Bei dem Titel hatte ich eine Outsider-Komödie á la Napoleon Dynamite erwartet. Ich bekam ein ganz nett gemachtes Familiendrama über einen dicken Jungen.
Persepolis (Marjane Satrapi, Vincent Parronaud, 2007, Frankreich): Ach wie schön! Marjane Satrapis autobiografischer Comic in einer absolut gelungenen Zeichentrickverfilmung. Eine rührende Geschichte über eine Familie in schlechten Zeiten und eine Iran-Geschichtsstunde in einem. Hat den Publikumspreis des Filmfestivals gewonnen, verdient.
Dainipponjin (Matsumoto Hitoshi, 2007, Japan) ist eine durchgeknallte Komödie im Doku-Stil. Ein superlangweiliger Typ wird interviewt, er ist alleinstehend, trägt immer einen Schirm bei sich und führt ein bescheidenes Dasein. Ach ja, er ist auch Dainipponjin, Big Man Japan, und muss Japan regelmässig vor angreifenden riesigen Monstern retten. Ausserdem hat er mit sinkenden Einschaltquoten zu kämpfen.
Sehr trockener absurder Humor, entzückende Computeranimation in den Kampfszenen. Schade nur, dass der Doku-Stil nicht konsequent durchgehalten wurde.
En Gij, Kameraad? (Johannes Ratté, 1928, Niederlande): Ein Propagandafilm für die Zentrale Transportarbeitergewerkschaft der Niederlande, der von Montagetechniken des sowjetischen Films Gebrauch macht. Der Film zeigt das miserable Leben der Arbeiter, dann Massenproteste und redenschwingende Gewerkschaftsbosse, dann die Welt wie sie sein könnte, wenn doch nur die Gewerkschaft mehr Mitglieder hätte.
Zu grossen Teilen Spielt der Film in Rotterdam, meiner Heimatstadt, die im Jahr 1928 doch sehr anders aussah als heute. Unterlegt war der Stummfilm mit eigens für dieses screening komponierter Musik. Diese war sicher Geschmacksache: folksy Akkordeon, Synthie-Strings und etwas zu aufdringliche Bigbeats.
Repo Man (Alex Cox, 1984, USA) ist eine nihilistische trash-punk-scifi-Komödie. Ein junger Emilio Estevez spielt Otto den jungen Punk, der aus Geldnot einen Job als Gerichtsvollzieher annimmt, da seine Eltern seinen College-Fund an einen Fernsehprediger gespendet haben.
Ein ziemlich witziger Film mit guten und weniger guten one-linern und einer gehörigen Portion “Fuck it all.” Trailer zum Film auf YouTube.
Import Export (Ulrich Seidl, 2007, Österreich) ist ein wunderbarer, humorvoller, verstörender und zugleich zärtlicher Film über die conditio humana anno 2008.
Mit Abstand der beste Spielfilm, den ich bisher auf dem Festival gesehen habe. Ein Meisterwerk. Website zum Film.
Estômago (Marcos Jorge, 2007, Brasilien): Geschichte über Raimundo, einen talentierten Koch, der leider ausserhalb der Küche nicht so viel auf dem Kasten hat. Der Film verbindet zwei Erzählstränge miteinander: Raimundos Aufenthalt im Gefängnis und wie er dort hingekommen ist.
Fängt schwungvoll an und bleibt auch bis zum Ende sympathisch, vor allem weil Raimundo so ein lieber, naiver Trottel ist. Aber ab der Mitte verliert die Geschichte sehr an schwung, der Soundtrack ist ziemlich nervig und das Ende ist doof.
Der nervige Soundtrack ist auf der Website des Films zu hören.
Help Me Eros (Lee Kang-sheng, 2007, Taiwan): Lee Kang-sheng ist Scriptautor, Hauptdarsteller und Regisseur in Personalunion in diesem Film über einen jungen Mann, der all sein Geld an der Börse verliert und tiefer und tiefer in Depressionen versackt, da sein Leben ohne Geld keinen Sinn mehr hat.
Er telefoniert mit einer Seelsorger-Hotline und verliebt sich in die Telefonistin, die in Wirklichkeit ganz anders aussieht als in seiner Fantasie und die auch kein idyllisches Leben führt. Ausserdem hat er Kontakt mit den hübschen Betelnuss-Verkäuferinnen im Untergeschoss seiner gepfändeten Wohnung, die er mithilfe von selbstangebautem Marihuana verführt.
Kang-sheng spricht einige interessante zivilisatorische Probleme an: Vereinsamung, das Gefühl von innerer Leere, welchem mit Sex, Luxusgütern und Drogen beizukommen versucht wird. Dabei ist der Film leider selbst etwas hohl geraten.
Lucky 7 (diverse, 2007, Singapur) ist ein filmischer cadavre exquis. Sieben Regisseure aus Singapur machen gemeinsam einen Film, bestehend aus sieben zwölfminutigen Segmenten. Ein Segment pro Regisseur. Jeder Regisseur bekommt nur die letzte Minute des vorigen Segments zu sehen. Einzig der Hauptdarsteller bleibt als Konstante erhalten.
Herausgekommen ist, wie beim zeichnerischen Äquivalent auch so oft, ein ziemliches Monster von einem Film. Bizarr aber leider selten unterhaltsam.
Liberation Day (Lee Isaac Chung, 2007, USA / Frankreich) ist in einer Zusammenarbeit vom amerikanischen Regisseur Lee Isaac Chung und einem Filmworkshop aus Ruanda entstanden. Es ist der einzige nordafrikanische Film beim Filmfestival dieses Jahr, ein Hinweis auf den beklagenswerten Zustand der nordafrikanischen Filmindustrie.
Zwei befreundete Strassenjungs begeben sich gemeinsam auf eine Reise. Spuren des Völkermordes überschatten ihren Weg und bald müssen sie sich entscheiden, ob sie Richtung Gewalt oder Vergebung gehen.
Der Film ist sehr langsam und mit (sehr überzeugenden) Laiendarstellern gedreht, manchmal strecken sich Szenen zu lang, aber das Ende ist sehr schön.
Zur Website des Verleihs (mehr Hintergundinfos).
Reflection in the Mirror (Svetlana Proskurina, 1992, Russland) hatte ziemlich schlechte Untertitel, daher kann ich über die Dialoge nicht so viel sagen. Egal, die Bilder waren wunderschön. Ein gefeierter Schauspieler kündigt seinen Job beim Theater, dann fängt sein Leben an, sich mit der theatralischen Scheinwelt der von ihm dargestellten Charaktere zu vermischen. Wo liegt die Grenze zwischen Figur und Mensch?
Auf visueller Ebene wird diese Unentschlossenheit durch Spiegelungen hervorgehoben. Bei Gesprächen schauen die Sprechenden den Spiegel an, ganze Szenen wirken wie durch eine spiegelnde Schaufensterscheiben aufgenommen. Realität und Spiegelung vermengen sich. Am Ende des Films springt der Schauspieler in spiegelndes Wasser und durchbricht so die Grenze zwischen Schein und Wirklichkeit.
The Mourning Forest (Kawase Naomi, 2007, Japan) ist ein ziemlich langweiliger Film über einen alten Mann und eine junge Frau, die sich im Wald verlaufen. Er ist auf der Suche nach einer Stelle, wo er angemessen um seine Frau trauern kann die vor 33 Jahren gestorben ist und sie ist auf der Suche nach etwas Selbstbewusstsein. Gewann den Grand Prix de Cannes 2007.