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Ro

Diesmal der kompromisslose Rock der Melvins kombiniert mit wahnsinnigem Gitarrengeschreddel und Geschrei vom vollkommen durchgeknallten Keiji Haino. Sogar der gezeigte Film war Noise, ein Remix von Kranky Klaus, BB, Spookhouse und JO, aus dem Kontext gerissene sich ständig wiederholende Szenen, die ziemlich crappy übereinandermontiert wurden. Eigentlich schade, denn zumindest Kranky Klaus hätte ich doch gerne noch einmal gesehen.

Nach einer Stunde war der Spuk vorbei, nur der eigene Körper schwang noch einige Minuten nach, da der Lautstärkepegel wieder extrem war.

Fi

Import Export (Ulrich Seidl, 2007, Österreich) ist ein wunderbarer, humorvoller, verstörender und zugleich zärtlicher Film über die conditio humana anno 2008.

Mit Abstand der beste Spielfilm, den ich bisher auf dem Festival gesehen habe. Ein Meisterwerk. Website zum Film.

Fi

Estômago (Marcos Jorge, 2007, Brasilien): Geschichte über Raimundo, einen talentierten Koch, der leider ausserhalb der Küche nicht so viel auf dem Kasten hat. Der Film verbindet zwei Erzählstränge miteinander: Raimundos Aufenthalt im Gefängnis und wie er dort hingekommen ist.

Fängt schwungvoll an und bleibt auch bis zum Ende sympathisch, vor allem weil Raimundo so ein lieber, naiver Trottel ist. Aber ab der Mitte verliert die Geschichte sehr an schwung, der Soundtrack ist ziemlich nervig und das Ende ist doof.

Der nervige Soundtrack ist auf der Website des Films zu hören.

Fi

Help Me Eros (Lee Kang-sheng, 2007, Taiwan): Lee Kang-sheng ist Scriptautor, Hauptdarsteller und Regisseur in Personalunion in diesem Film über einen jungen Mann, der all sein Geld an der Börse verliert und tiefer und tiefer in Depressionen versackt, da sein Leben ohne Geld keinen Sinn mehr hat.

Er telefoniert mit einer Seelsorger-Hotline und verliebt sich in die Telefonistin, die in Wirklichkeit ganz anders aussieht als in seiner Fantasie und die auch kein idyllisches Leben führt. Ausserdem hat er Kontakt mit den hübschen Betelnuss-Verkäuferinnen im Untergeschoss seiner gepfändeten Wohnung, die er mithilfe von selbstangebautem Marihuana verführt.

Kang-sheng spricht einige interessante zivilisatorische Probleme an: Vereinsamung, das Gefühl von innerer Leere, welchem mit Sex, Luxusgütern und Drogen beizukommen versucht wird. Dabei ist der Film leider selbst etwas hohl geraten.

Co

Our Hero Battles Twenty-Six Alphabeticised Terrors

Our Hero Battles Twenty-Six Alphabeticised Terrors von Tom Gauld.

Ro

Extremely Loud Performance

Drei Kurzfilme von Regisseur Cameron Jamie musikalisch untermalt durch die Melvins. Alle Regler auf 11, Rock so laut, dass Du ihn mehr spürst als hörst. In diesem Zusammenhang von einfühlsam zu sprechen scheint ein wenig seltsam, aber doch: einfühlsam bretterten die Melvins drauflos.

Fi

Lucky 7 (diverse, 2007, Singapur) ist ein filmischer cadavre exquis. Sieben Regisseure aus Singapur machen gemeinsam einen Film, bestehend aus sieben zwölfminutigen Segmenten. Ein Segment pro Regisseur. Jeder Regisseur bekommt nur die letzte Minute des vorigen Segments zu sehen. Einzig der Hauptdarsteller bleibt als Konstante erhalten.

Herausgekommen ist, wie beim zeichnerischen Äquivalent auch so oft, ein ziemliches Monster von einem Film. Bizarr aber leider selten unterhaltsam.

Fi

Liberation Day (Lee Isaac Chung, 2007, USA / Frankreich) ist in einer Zusammenarbeit vom amerikanischen Regisseur Lee Isaac Chung und einem Filmworkshop aus Ruanda entstanden. Es ist der einzige nordafrikanische Film beim Filmfestival dieses Jahr, ein Hinweis auf den beklagenswerten Zustand der nordafrikanischen Filmindustrie.

Zwei befreundete Strassenjungs begeben sich gemeinsam auf eine Reise. Spuren des Völkermordes überschatten ihren Weg und bald müssen sie sich entscheiden, ob sie Richtung Gewalt oder Vergebung gehen.

Der Film ist sehr langsam und mit (sehr überzeugenden) Laiendarstellern gedreht, manchmal strecken sich Szenen zu lang, aber das Ende ist sehr schön.

Zur Website des Verleihs (mehr Hintergundinfos).

Fi

Reflection in the Mirror (Svetlana Proskurina, 1992, Russland) hatte ziemlich schlechte Untertitel, daher kann ich über die Dialoge nicht so viel sagen. Egal, die Bilder waren wunderschön. Ein gefeierter Schauspieler kündigt seinen Job beim Theater, dann fängt sein Leben an, sich mit der theatralischen Scheinwelt der von ihm dargestellten Charaktere zu vermischen. Wo liegt die Grenze zwischen Figur und Mensch?

Auf visueller Ebene wird diese Unentschlossenheit durch Spiegelungen hervorgehoben. Bei Gesprächen schauen die Sprechenden den Spiegel an, ganze Szenen wirken wie durch eine spiegelnde Schaufensterscheiben aufgenommen. Realität und Spiegelung vermengen sich. Am Ende des Films springt der Schauspieler in spiegelndes Wasser und durchbricht so die Grenze zwischen Schein und Wirklichkeit.

Se

Blabla läuft jetzt wieder auf Wordpress. Hatte genug von den komischen Fehlermeldungen, die Movable Type ständig produziert hat. Falls die werte Leserschaft nun irgendwelche Probleme bei der Wiedergabe haben sollte: Einfach mal refresh drücken, das erfrischt.

Die RSS-Feeds vom MT tuns natürlich auch nicht mehr fällt mir gerade ein. Hätte ich vielleicht vorher eine Warnung rausschicken sollen. Naja. Die neuen RSS-Links gehen auf jeden Fall so: Beiträge & Kommentare.

Es

Der neue iJam ist da! Grandioses Design aus Spanien. Aber: bereits nach vier Wochen zeigen sich Abnutzungserscheinungen.

Fi

The Mourning Forest (Kawase Naomi, 2007, Japan) ist ein ziemlich langweiliger Film über einen alten Mann und eine junge Frau, die sich im Wald verlaufen. Er ist auf der Suche nach einer Stelle, wo er angemessen um seine Frau trauern kann die vor 33 Jahren gestorben ist und sie ist auf der Suche nach etwas Selbstbewusstsein. Gewann den Grand Prix de Cannes 2007.

Fi

George A. Romero’s Diary of the Dead (2007, USA): Ich war etwas überrascht, ich hatte nicht so gut ins Festivalprogramm geschaut und war davon ausgegangen, dass dieser Film eine Doku über das Werk von Zombiefilmer George Romero ist. Aber nee, es ist ein als Dokumentarfilm aufgemachter Zombiefilm. Nach REC jetzt schon der zweite, den ich auf diesem Festival gesehen habe.

REC ist der ungestüme kleine Bruder von diesem Film, der eine viel reifere “ich hab schon alles gesehen”-Position einnimmt. Es geht wie immer bei Romero um den Ausbruch der Zombieseuche, diesmal aus der Sicht von ein paar College-Studenten, die gerade dabei sind einen Horrorfilm zu drehen. Mit ihren Filmkameras bewaffnet begeben sie sich auf die Flucht.

Eigentlich ist es ein Horrorfilm über Horror. Also er versucht beides zu sein, sowohl ein Film, der uns erschrickt, als auch ein Film, der versucht unsere Faszination für das Schreckliche zu erklären.

Sehr unterhaltsam, auch wenn, oder vielleicht gerade weil am Ende der Horrorfilm und nicht das Lehrstück überhand nimmt.

Fi

Of Monster Mode (Ishii Yuya, 2007, Japan) ist einer von vier Spielfilmen, die Ishii Yuya letztes Jahr gemacht hat. Alle Leute in diesem Film drehen etwas am Rad und schalten ab und an in den Monster Mode. Fängt an als ein Beziehungsdrama, Ein Ehepaar hat seinen Sohn verloren und vor allem die Frau kommt mit der Realität nicht zurecht. Ihr Mann ist innerlich kalt geworden und wendet sich von ihr ab.

Dann wird der Film zu einem Lehrstück darüber zu welchen monsterhaften Taten eine Frau mit Verstopfung imstande ist.

Der Saal war ausverkauft, ca 500 Leute, zu grossen Teilen normales Freitagabend-Kinopublikum (erkennbar an den Nachos) und obwohl der Film zum Teil etwas schwer verdaulich [sic] war, sind nur eine Hand voll Leute während der Vorstellung abgehauen.

Fi

The Cabinet of Dr. Ramirez (Peter Sellars, 1991, USA) lehnt sich nicht nur im Titel an einen Klassiker des expressionistischen Stummfilms, The Cabinet of Dr. Caligari (1920), an. In diesem Remake wird kein Wort gesprochen, die Tonspur besteht nur aus gruselig klingenden Chorälen und Orchestermusik.

Bei Dr. Caligari wird durch schräge Dekors eine surrealistische Atmosphäre erzielt, bei Dr. Ramirez ist New York das schräge Dekor. Alle Bewegungen sind extrem verlangsamt und werden oft obsessiv wiederholt.

Die Handlung ist schwer wiederzugeben, anscheinend geht es um den Kontrast zwischen den Börsenmaklern, ganz oben in der Hierarchie und Obdachlosen ganz unten. Einer der Obdachlosen bringt andere Obdachlose unter seine Kontrolle und lässt sie Morde ausführen. Später stellt sich heraus, dass dieser Mann der Leiter eines Sanatoriums ist (Dr. Ramirez?).

Auf jeden Fall schön anzusehen und zu hören, wenn auch sehr weird. Mikhail Baryshnikov spielt einen der Obdachlosen, Sandy aus “The OC” einen der Börsenmakler und Joan Collins spielt die Frau mit den Reh-im-Scheinwerferlicht-Augen.

Der Originalfilm in voller Länge auf Google Video.

Fi

Amazing Story (Kobayashi Masahiro, 2003, Japan): Mein zweiter Film von Kobayashi. Dieser ist anscheinend Teil einer Serie von Filmen von verschiedenen Regisseuren über Männer, die eine aus der Entfernung angebetete Frau entführen um mit ihr ein perfektes Leben zu beginnen.

In diesem Film entführt ein junger Mann die (verheiratete) Friseurin eines verschneiten Dörfchens und nach anfänglicher Panik scheint sie sich ganz wohl in ihrem neuen Leben zu führen. Dann bekommt der junge Mann Zweifel an der ganzen Sache und sucht den Ehemann seiner Angebeteten auf.

Ein seltsames Beziehungsdrama über Einsamkeit, Besessenheit und Schicksal.

PS: Kobayashi war wieder anwesend, um seinen Film anzukündigen. Echt ein lustiger Typ. Schade, dass mir sein Filme nicht so richtig gefallen wollen.

Fi

REC (Jaume Balagueró, 2007, Spanien) ist eine spannende Doku über die Feuerwehr von Barcelona.

…ach nee. Eigentlich ist es ein exzellent gemachter first-person-perspective-Horrorfilm. Altbewährtes Horrorfilmrezept, mit katalonischer Verve zubereitet. Hab noch nie einen Saal, vollbesetzt mit 1000 Leuten so kreischen hören.

Fi

Cargo 200 (Alexei Balabanov, 2007, Russland) ist ein widerlicher Film über einen Psycho-Polizisten im Russland der achtziger Jahre. Zusammenhanglose Folter- und Misshandlungsszenen wechseln sich ab mit “lustigen” Szenen, in denen ein trotteliger Professor für Atheismus Gott findet.

Fi

El Otro (Ariel Rotter, 2007, Argentinien) handelt von Juan, mitten in einer Identitätskrise. Seine Frau ist schwanger und er weiss noch nicht so recht, ob er glücklich damit sein soll. Auf Geschäftsreise probiert er ein paar andere Identitäten an.

Der Protagonist hat Angst vor dem alt werden, vor zu viel Verantwortung. Aber er ist kein schlechter Mensch. Die Szenen wo er seinen greisen Vater Pflegt sind sehr schön und zeigen Juan als liebevollen Mann. Letztendlich passen ihm die anderen Identitäten nicht und er kehrt zurück zu seiner eigenen.

Sehr schöner, ruhiger Film aus Argentinien.

Fi

Bootleg Film (Kobayashi Masahiro, 1999, Japan) ist eine japanische Hommage an US Kultfilme wie Reservoir Dogs und Fargo. Männer mit Pistolen in schwarzen Anzügen, Schnee und Blut. Das Ganze ist als road movie aufgezogen.

Die Charaktere waren nicht wirklich sympathisch und ihr Handeln blieb mir bis zum Schluss ein ziemliches Rätsel.

Lustig war der anwesende Regisseur: “Ich hab Drehbücher geschrieben und hatte ein gutes, ruhiges Leben. Dann habe ich diesen Film gemacht und nach Cannes geschickt, seitdem ist mein Leben schrecklich.” (Der Film wurde in Cannes gezeigt und seitdem ist Masahiro Regisseur…)

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